Was ist Asemisches Schreiben?

Asemische Spuren auf Newsprint Papier

Asemisches Schreiben, oder Asemic Writing begegnet uns immer öfter in Beschreibungen von abstrakten Kunstwerken, oder wird in Art Journaling und Mixed Media Workshops verwendet. Aber was ist das eigentlich, das Asemische Schreiben?

Die Grundbedeutung des Asemischen Schreibens

Asemisches Schreiben ist eine Form der Schrift, die keine spezifische Bedeutung oder lesbare Sprache vermittelt. Es handelt sich um eine Art von künstlerischem Ausdruck, bei dem die Schriftzeichen oft wie handgeschriebene Buchstaben oder Symbole aussehen, aber nicht in einer verständlichen Sprache verfasst sind.

Ich empfinde es dennoch als eine Sprache, eben eine visuelle, jenseits von Worten.

Spuren, wie wir sie schon als Kinder liebten

Ob am Strand in den Sand gezeichnete Spuren, oder spontan Gekritzeltes mit Wachsfarbe, dies berührte mich schon als Kind und ich konnte Stunden damit zubringen, mit dem Bleistift meine Linien und Buchstabenübungen zu machen. Asemisches Schreiben beinhaltet für mich auch diese „kindliche“ Freude.

Asemisches Schreiben als Geheimschrift

Manchmal ist Asemisches Schreiben sogar Kommunikation von Unsagbarem, wie man es bei der argentinischen Künstlerin Mirtha Dermisache sehen kann. Ihre Arbeiten entstanden größtenteils während der argentinischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren. Zum Glück lebe ich in einem Land mit Meinungsfreiheit, aber ich erinnere mich an Tagebuchseiten in der Jugend, die eine „Geheimschrift“ hätten gut gebrauchen können.

Unter den Bedingungen politischer Unterdrückung kann die unleserliche Schrift als stellvertretend für das gesehen werden, was die Künstlerin damals nicht sagen durfte.
— Emma Rotermund für art-in-berlin

Ein Grenzbereich

Mit ihr kann man die Grenzen zwischen Schrift, Kunst, Literatur und Kommunikation erforschen.
Wie es z.B. Cecil Touchon, Cy Twombly und Robert Rauschenberg getan haben.
Es gibt sogar den Bereich der Asemischen Lyrik, wo Form und Rhythmus einen visuell erkennbaren Zusammenhang bilden, aber trotzdem nicht lesbar sind.

Warum ich Asemisches Schreiben liebe

  • freier Ausdruck

  • spontan nutzbar

  • man braucht wenig Material und kann dies frei wählen

  • es hat ein unendlich künstlerisch, abstraktes und kreatives Entwicklungspotential

Wer und was mich inspiriert

Die schon oben genannten Künstler, aber auch Denise Lach mit Ihren Schriftspielen, oder Sigrid Artmann und Monica Dengo, die aus dem Bereich der Kalligraphie kommen, sowie Robyn McClendon mit Ihrem eigenen „Intuitive Scripting” Ansatz.
Genauso können mir aber auch jeder schon etwas stark mitgenommene Zettel, den ich auf der Straße finde, sowie Astformen von Bäumen und andere Strukturen als Inspiration zum Asemischen Schreiben dienen.

Buchtipp zum Einstieg

ASEMIC THE ART OF WRITING, von Peter Schwenger war mein erster ausführlicher Zugang zur Geschichte des Asemischen Schreibens. Leider nur auf Englisch verfügbar.

Buchcover von Asemic the art of writing von Peter Schwenger

Wie ich es in der Kunst einsetzte

Leinen mit Pigmenten bearbeitet

Oder in meinen geliebten Skizzenbüchern, um zu experimentieren:

Skizzenbuch mit Spuren auf Stoff, die von einem Korken inspiriert sind


Wozu es mir sonst noch dient

  • Zum Einstieg in meine künstlerische Arbeit, wenn ich nicht so richtig weiß, wie ich anfangen, oder weitermachen soll.
    Also zu Beseitigung von kreativen Blockaden. Alternativ verwende ich natürlich auch gerne die Methode der Neurographik, wie das geht, findest du in meinem Blogartikel „In 8 Schritten raus aus der kreativen Blockade“.

  • Ich sehe Asemisches Schreiben auch als Lockerungsübung zur Aufwärmung meiner „kreativen Muskeln“. Der Motorik meiner Hände und zur Entspannung meines Gehirns.

  • Es ist auch ein Hilfsmittel zur Entladung von starken Emotionen, Papier kann wirklich viel aushalten, ohne beleidigt zu sein.😉

Was ich mit Asemischem Schreiben noch vorhabe

Ein ganzes Tagebuch damit zu füllen, ein100 Tage-Projekt durchführen, eine asemische Gedichtsammlung anlegen, auf Holz schreiben, eine Tapisserie mit Asemic Writing weben … ich glaube, die Ideen werden mir nicht ausgehen.
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Warum ich es liebe Künstlerin zu sein